Platz zwei der erfolgreichsten Olympiateilnehmer aller Zeiten belegt die mit den meisten Medaillen ausgezeichnete Frau der Geschichte: Larissa Latynina.

Die Bilanz der Turnerin ist Ehrfurcht gebietend: Zwischen 1956 und 1964 gewann sie für die UdSSR 9-mal Gold, 5-mal Silber und 4-mal Bronze. Beinahe fünf Jahrzehnte lang stand sie einsam an der Spitze jedes Medaillenspiegels – bis ein Schwimmer sie überholte. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Topathleten drängte Latynina nie ans Licht der Öffentlichkeit. Olympia-Historiker Bill Mallon nannte sie „eine Art Phantom“, so wenig sei über die Turnlegende bekannt.

1934 in der heutigen Ukraine geboren begeisterte sich Latynina zunächst für Ballett und wechselte erst später zum Kunstturnen. Bei ihrem internationalen Wettkampfdebüt bei den Weltmeisterschaften 1954 gewann sie zwar die Goldmedaille in der Mannschaftswertung, musste sich allerdings für ihren 14. Platz beim Achtkampf Kritik von ihrem Trainer anhören. Sie müsse ihre Nerven in den Griff bekommen.

„Ich wollte nicht verlieren – niemals“

Latynina nahm sich die Einschätzung zu Herzen und ließ sich fortan auch von kleinen Patzern nicht mehr aus dem Konzept bringen. In der Folge dominierte sie das Olympische Turnen beinahe ein Jahrzehnt lang und legte den Grundstein für die Erfolge anderer sowjetischer Turnerinnen. In einem Interview beschrieb sie, was sie als Athletin antrieb: „Ich hatte diesen Drang mich mit anderen zu messen. Ich wollte nicht verlieren – niemals.“

Das ging so weit, dass sie bei den Weltmeisterschaften 1958 antrat, als sie im vierten Monat schwanger war, ohne jemanden darüber zu informieren. „Wie das meine Leistung beeinflusst hat?“, fragte sie in einem Interview, „Augenscheinlich lief es ganz okay. Ich habe gewonnen.“ Tatsächlich errang Latynina fünf von sechs Weltmeistertiteln.

Olympische Erfolge auch als Trainerin

Nicht nur ihre mentale Stärke auch ihre Physis war beeindruckend. So hielt Latynina die inoffiziellen nationalen Rekorde für Hoch- und Weitsprung aus dem Stand. Nach ihrer Karriere als Aktive verhalf sie den sowjetischen Turnerinnen von 1968 bis 1976 zu drei Olympiasiegen in der Mannschaftswertung. 1980 organisierte sie die Olympischen Spiele in Moskau mit.

In jüngster Zeit wurde die stille Rekordolympionikin reislustiger und traf sich etwa in New York mit Rekordschwimmer Michael Phelps. Die 77-Jährige bewundere den 50 Jahre jüngeren Ausnahmeathleten für sein Talent, sagte sie. Auch in Deutschland war sie vor kurzem. Bei einem Besuch in einem Berliner Turnzentrum verriet sie den Nachwuchsathleten ihr Erfolgsrezept: „Bei Misserfolgen niemals die Schuld bei anderen suchen.“ Zudem ginge es im Sport nicht nur um Medaillen. Er bringe auch „Freude für das ganze Leben, tolle Freundschaften und Selbstbewusstsein“. Das vermittelt sie auch eigenen Schülern. Denn bis heute leitet Latynina eine Sportschule in der Nähe von Moskau.

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