Buch

Was Sie sagen, ohne es zu sagen

menschen verstehen

Bild: MVG Verlag

Nachschlag für Fans von Joe Navarro: Der ehemalige FBI-Agent und Experte für Körpersprache ergänzt, vertieft und variiert mit Menschen verstehen und lenken seinen Ratgeber Menschen lesen. Es geht darin um den Begriff der „nonverbalen Intelligenz“, also das Geheimnis angemessenen Verhaltens, jenseits der Kommunikation mit Worten. Im ersten Teil des Buches erläutert Navarro „Die Grundlagen nonverbaler Intelligenz“ und wieso sich Menschen im Umgang mit anderen behaglich oder unbehaglich fühlen.

Der zweite Teil widmet sich dann der Anwendung nonverbaler Kommunikation: Verhalten, Aussehen, Gefühlsäußerungen und das Durchschauen von Täuschungen. Ein Kapitel behandelt dann konkrete Situationen von der optimalen Begrüßung bis zum Verhalten im Vorstellungsgespräch.

Navarro argumentiert ausführlich und geizt nicht mit Anekdoten aus seiner Zeit als FBI-Agent. Das sorgt für einen hohen Unterhaltungsfaktor und unterscheidet den Autor von Experten, die lediglich auf ihre Erfahrungen als Unternehmensberater zurückgreifen können. Als Handbuch zur nonverbalen Kommunikation hat Menschen verstehen und lenken darum durchaus seine Qualitäten, ersetzt allerdings die Lektüre von Menschen lesen keinesfalls.

Tipps von Joe Navarro nicht immer auf Europa übertragbar

Mehr noch als beim Vorgänger betrachtet Joe Navarro leider vieles durch die rein amerikanische Brille. Dass er als Beispiel für eine überzeugende Haltung Generäle der US Army anführt, mag noch in Ordnung sein, andere Stellen sorgen beim deutschen Leser hingegen für Irritation: Dass Geschworene bei Gericht Anwälte in Zweiknopfsakkos ehrlicher einschätzen als deren Kollegen mit Dreiknopfsakko, kann für Angestellte in Miami oder Milwaukee eine nützliche Information sein. In München oder Mailand hingegen richtet sich die Anzahl der Jackettknöpfe immer noch nach der Größe des Anzugträgers. Auch seine Socken sollte man auf die Farbe der Hose abstimmen und nicht auf die Farbe der Schuhe, wie Navarro es empfiehlt.

Ärgerliches Detail am Rande sind darüber hinaus zahlreiche fehlende Leerzeichen und andere Schlampigkeiten. So heißt es über eine Geschäftsfrau, die ihr professionelles Erscheinungsbild mit abgetragenen Schuhen konterkarierte: „Warum verbringt frau so viel Zeit damit, auf andere einen guten Eindruck zu machen und ruiniert das Erscheinungsbild dann mit einem so kleinen Detail, ruinieren, [sic!] das sich doch so leicht korrigieren ließe.“

Wunderbare Lehrsätze zur Körpersprache

Die eigentlichen Ratgeberqualitäten des Buches sind nichtsdestoweniger beachtlich. Navarro verknüpft überzeugend eigene Erfahrungen mit psychologischen Erkenntnissen und scheut keine heiklen Themen wie Mobbing am Arbeitsplatz oder wütende Kunden. Trotz seines erzählerischen Ansatzes verdichtet der Ex-Agent seine Tipps auch immer wieder zu wunderbaren Lehrsätzen. Zum Thema Vorstellungsgespräche kommt er zu dem Schluss:

„Das Ziel all Ihrer Vorbereitungen ist es letztlich, Selbstbewusstsein auszustrahlen. Nur darum geht es. Stellen Sie sich der Situation mit Zuversicht und dem Wissen, dass Sie gut vorbereitet sind. Entspannen Sie sich und geben Sie Ihr Bestes.“

Wer nach dem hervorragenden Menschen lesen mehr von Joe Navarro erfahren möchte, liegt mit Menschen verstehen und lenken sicher goldrichtig. Die Qualität des Vorgängerbuches erreicht es zwar nicht – aber das ist bei Nachschlägen ja häufiger der Fall.

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