Buch

Richtig Nein-Sagen lernen

Wie man seine Ziele durchsetzt, ohne anderen vor den Kopf zu stoßen, darum geht es in Die Kunst, freundlich Nein zu sagen von Tanja Baum.

Kennen Sie Ned Flanders? Ned Flanders ist der gutherzige Nachbar von Homer Simpson. Er wird allseits geachtet und geliebt, nur eines kann er nicht: Nein sagen. Ein Großteil seiner Habe befindet sich deswegen bei den Simpsons, den Wunsch Fernsehbänkchen, Laubsauger oder Videokamera auszuleihen, konnte Ned dem dreist fragenden Homer nicht abschlagen.

„Ein freundliches ,Nein‘ kann nachvollziehbar und trotzdem verbindlich sein.“

Auch ohne die Folge Der total verrückte Ned gesehen zu haben, in der dem ewig zuvorkommenden Flanders spektakulär der Kragen platzt, merkt man als Zuschauer sofort, wo sein Problem liegt. Wer sich nicht von anderen abgrenzen kann, wird nie wirklich glücklich und erfolgreich werden.

Im privaten und beruflichen Alltag ist man ständig mit Situationen konfrontiert, in denen man vor der Entscheidung steht, entweder gegen seinen eigentlichen Willen zu handeln oder aber jemanden durch Nein-Sagen zu enttäuschen oder gegen sich aufzubringen. Da viele Angst haben, unprofessionell oder unhöflich zu erscheinen, bürden sie sich lieber Mehrarbeit oder andere Zugeständnisse auf.

Tanja Baum will mit ihrem Buch einen Weg aus dem vermeintlichen Dilemma weisen. Denn die Zwickmühle ist gar keine:

„Wer freundlich Nein sagen kann, verletzt die Gefühle der anderen nicht und setzt doch die eigenen Ziele durch. Freundlichkeit bedeutet nicht, immer nachzugeben. Ein freundliches ,Nein‘ kann nachvollziehbar und trotzdem verbindlich sein.“

Ihr Ratgeber widmet sich ausführlich diesem Thema: Konsequent und positiv durch Beruf und Alltag zu kommen. Im ersten Teil des Buches geht es um die Theorie. Warum fällt es so schwer, Nein zu sagen? Was gewinnt man durch Freundlichkeit? Wie gelingt Freundlichkeit am Telefon? Wie entwickelt man seine persönliche Strategie zum Nein-Sagen?

Viele konkrete Fallbeispiele

TanjaBaumDarauf aufbauend geht es danach an die Umsetzung. Baum beruft sich dabei auf das G.A.T.E.-Persönlichkeitsmodell von Wolfgang E. Lehmann, das Menschen einem von vier Typen zuordnet: dem nach Sicherheit und Verstehen strebenden G-Typ, dem anpackenden A-Typ, dem sensiblen E-Typ sowie dem ausgewogenen T-Typen.

Ob eine freundliche und konsequente Kommunikation gelingt, hängt nicht nur davon ab, welcher Typ man selbst ist, sondern auch, welchem Typ man gerade „Nein“ sagen will. Anhand konkreter Fallbeispiele zeigt Baum danach, wie man unter Zuhilfenahme des G.A.T.E.-Modells erfolgreich seine Interessen durchsetzt – im Umgang mit Kunden, Kollegen, Mitarbeitern, Vorgesetzten und im privaten Umfeld.

Praxisnah Nein-Sagen lernen

Das gelingt ihr übersichtlich, verständlich und gespickt mit vielen Erkenntnismomenten. Durch die praxisnahen Beispiele entgeht Baum glücklicherweise der Gefahr, sich zu sehr in ihren Modellen zu verlieren. Dass sich ein Kollege unprofessionell verhält, zieht sie ebenso ins Kalkül wie besonders „schwierige“ Kunden.

Am Ende von Die Kunst, freundlich „Nein“ zu sagen wartet dann ein kleines „4-Wochen-Programm“ auf den Leser, mit konkreten Hausaufgaben und Ideen zum Führen eines „Nein-Sage-Tagebuchs“. So präsentiert sich Baums Ratgeber als rundum gelungen. Man würde zu gerne sehen, ob auch Ned Flanders damit endlich Fortschritte im Umgang mit seinem übergriffigen Nachbarn machen würde.

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