Buch

Lernen vom Fischverkäufer

Buchtitel sollen Lust auf die Lektüre machen und am besten einen Hinweis auf den Inhalt geben. Das gilt vor allem für Ratgeber. Das vorliegende Buch schert sich scheinbar weder um das eine noch das andere. „Fish!“ – das lässt eher an kalt-glitschige Wassertiere denken anstatt Interesse zu weckten Dabei ist die Erklärung der Autoren einleuchtend.

Nicht in einem Großkonzern, sondern ausgerechnet auf einem Fischmarkt in Seattle erlebten Stephen C. Lundin und John Christensen nämlich Menschen, die ihren Beruf voller Begeisterung ausübten, hochmotiviert waren, einfallsreich, charmant und ungeheuer effektiv.

Die Autoren waren verblüfft, kehrten später mit einer Videokamera zu den Fischverkäufern zurück und dokumentierten deren Arbeit. Aus ihren Beobachtungen destillierten sie schließlich vier Tugendenden, die jedem zu mehr Schaffenskraft und Glück verhelfen sollen: 1. „Spiele“. 2. „Bereite anderen Freude“. 3. „Sei präsent“. Und 4. „Wähle deine Einstellung“.

Anekdotisch, nicht akademisch

In ihrem Buch Fish! Ein ungewöhnliches Motivationsbuch illustrierten Lundin und Christensen ihr Konzept und wie es zu einem besseren Arbeitsklima führt anhand einer (erfundenen) Erzählung um Mary Jane, ihren Ausflug auf den Fischmarkt und wie er ihr Arbeitsleben veränderte. Noch mehr Fish! wiederum besteht aus ausgewählten Lesergeschichten rund um die Fish-Philosophie.

Das Buch ist – wie sein Vorgänger – kein Sachbuch im eigentlichen Sinne und wissenschaftlich schon mal gar nicht. Es ist ein Lesebuch, leichtgeschriebene Unterhaltung mit einem schlichten, aber deswegen nicht weniger wahren Kern: Geh mit einer positiven Einstellung an dein Leben heran, dann wird es sich auch zum Positiven wenden. Ein Amazon-Rezensent bezeichnete das als „kindlich“. Wer belastbare Ergebnisse der Motivationsforschung erwartet, ist mit Fish tatsächlich schlecht beraten.

Aber so wie nicht jeder gut anhand von Fakten und abstrakten Modellen lernen kann, muss auch nicht jeder Ratgeber zu Themen wie Arbeitsklima und Karriere diesen Ansatz wählen. Noch mehr Fish! wählt eben den anekdotisch, nicht den akademischen Weg.

Kampf den drögen Routinen

Das Buch erläutert die vier Tugenden der  Fish-Philosophie noch einmal anhand jeweils eines ausführlichen und mehrerer kleiner Beispiele. Eines geht so:

„Warum müssen Flipcharts eigentlich immer so entsetzlich langweilig aussehen? Diese Frage stellte sich eine Frau, die daraufhin beschloss, etwas dagegen zu unternehmen. Sie bat ihre Kinder, die Flipcharts mit Wachsmalkreiden zu verzieren. Ihre Kollegen waren begeistert von den Regenbogenzeichnungen, und ihre Präsentation wurde ein Hit.“

Zur Nachahmung ist diese Geschichte nur bedingt zu empfehlen, doch den Autoren geht es um etwas anderes: die Idee dahinter. Vermeintlich dröge Routinen lassen sich aufbrechen, indem man ihnen Pepp, einen neuen Dreh oder eine individuelle Note verleiht.

Besser als sein Titel

Nur auf derartige Anekdoten wollen sich die Autoren dann aber doch nicht verlassen. Am Ende des Buches finden sich noch dreißig kurze Übungen. Beispielsweise soll man ein Dankbarkeitstagebuch führen, seine guten Taten der Woche auflisten oder auf einer Tafel im Büro gut sichtbar seine aktuelle Arbeitseinstellung festhalten.

Auch die Übungen gehören nicht unbedingt zum High-End-Repertoire der Verhaltenstherapie. Aber wie bei den Geschichten gilt: Wenn sie beim Leser einen Erkenntnisprozess in Gang setzen und einen Weg aufzeigen zu mehr Zufriedenheit, Motivation und am Ende Erfolg, dann hat die Fish-Philosophie ihren Zweck erfüllt. Trotz ihres fragwürdigen Titels.


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